Patientenverfügung

Mit einer Patientenverfügung können Sie für den Fall des Verlustes der Urteilsfähigkeit eine Person bestimmen, welche mit der Ärzteschaft die medizinischen Massnahmen bespricht und in Ihrem Namen entscheiden soll. Diesbezüglich können Sie auch schriftlich Ihren Willen festhalten, welche medizinischen Massnahmen Sie wünschen oder eben nicht mehr zulassen wollen.  

 

FAQ


Was ist eine Patientenverfügung?

Mit einer Patientenverfügung kann eine urteilsfähige Person für den Fall des Verlustes der Urteilsfähigkeit Anordnungen hinsichtlich zukünftiger medizinischer Massnahmen treffen (Art. 370 Abs. 1 ZGB). Sie kann zudem auch eine natürliche Person bezeichnen, die im Fall ihrer Urteilsunfähigkeit mit der behandelnden Ärzteschaft die medizinischen Massnahmen bespricht und in ihrem Namen entscheiden soll. Sie kann dieser Person auch Weisungen erteilen (Art. 370 Abs. 2 ZGB).

Die Ausarbeitung einer Patientenverfügung kann eine heikle Angelegenheit sein, wenn jemand beispielsweise eine längere Krankengeschichte aufweist, sich den Vorgaben einer Glaubensrichtung angleichen möchte oder mit einer bestimmten Krankheitsdiagnose konfrontiert ist. Diesfalls ist die ärztliche Beratung und Begleitung bei der Erstellung der Patientenverfügung in Erwägung zu ziehen (z. B. Hausarzt).

Ist die Patientenverfügung rechtsverbindlich?

Ja. Die Patientenverfügung ist seit dem Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechtes per 1.1.2013 rechtsverbindlich.

Ist der Patient urteilsunfähig und ist nicht bekannt, ob eine Patientenverfügung vorliegt, so klärt der behandelnde Arzt dies anhand der Versichertenkarte ab. Vorbehalten bleiben dringliche Fälle.  Der Arzt entspricht der Patientenverfügung, ausser wenn diese gegen gesetzliche Vorschriften verstösst oder wenn begründete Zweifel bestehen, dass sie auf freiem Willen beruht oder noch dem mutmasslichen Willen des Patienten entspricht. Der Arzt hält im Patientendossier fest, aus welchen Gründen der Patientenverfügung nicht entsprochen wird (Art. 372 ZGB).

Muss die Patientenverfügung notariell beglaubigt sein?

Nein. Die Patientenverfügung ist mit Ort, Datum und Unterschrift zu versehen und benötigt keine weitere Beglaubigung. Sie muss schriftlich errichtet, datiert und unterzeichnet werden (Art. 371 ZGB).

Was ist unter lebensverlängernden Massnahmen zu verstehen?

Zu den lebensverlängernden Massnahmen gehören u.a. die Reanimation, die künstliche Beatmung, aber auch die künstliche Wasser- und Nahrungszufuhr. Je nach Situation bedarf es auch der Entscheide über operative Eingriffe, Sauerstoffzufuhr, Medikation, Transfusion, Dialyse etc..

Gilt die Patientenverfügung auch im Ausland?

Behandlung und Betreuung in einem Spital richten sich nach den einschlägigen Gesetzen des jeweiligen Staates. Regelungen zu den Patientenverfügungen gibt es u.a. in den USA, Frankreich, Spanien, Deutschland, Dänemark und Österreich. Diesfalls wird empfohlen die Patientenverfügung in die entsprechende Landessprache übersetzen zu lassen.

Mit wem sollte die Patientenverfügung besprochen werden?

Idealerweise ist diese mit der in der Verfügung eingesetzten Person, mit nahestehenden Angehörigen und allenfalls auch mit dem behandelnden Hausarzt zu besprechen.

Muss die Patientenverfügung von Zeit zu Zeit überprüft werden?

Es macht Sinn die Verfügung ca. alle 2-3 Jahre zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Je aktueller eine Patientenverfügung ist, desto verbindlicher ist sie.

Wo sollte die Patientenverfügung aufbewahrt werden?

Die Patientenverfügung sollte zusammen mit anderen wichtigen Dokumenten aufbewahrt werden, zu denen eine Vertrauensperson Zugang hat. Zudem kann eine Ausweiskarte im Portemonnaie mitgeführt werden. Wer eine Patientenverfügung errichtet hat, kann diese Tatsache und den Hinterlegungsort auf der Versichertenkarte eintragen lassen (Art. 371 Abs. 2 ZGB). In der Praxis haben jedoch erst wenige Leistungserbringer die dafür notwendig Software beschafft.

Wer sollte eine Kopie meiner Patientenverfügung besitzen?

Eine Kopie sollte der eingesetzten Vertretungsperson, ev. den nahen Angehörigen und idealerweise dem Hausarzt oder dem behandelnden Arzt abgegeben werden.

Wen kann ich für eine Vertretung bei medizinischen Entscheidungen einsetzen?

Als Vertretungsperson kann jede natürliche Person eingesetzt werden, sofern diese urteilsfähig ist. Wichtig ist, dass diese zur Übernahme der Veranwortung tatsächlich bereit ist. Sie hat jederzeit die Möglichkeit, von dieser Verantwortung zurückzutreten. Grundsätzlich kann auch ein Arzt als Vertretungsperson eingesetzt werden.

Welche Personen sind zur Vertretung eines urteilsunfähigen Patienten berechtigt?

Das neue Erwachsenschutzrecht listet abschliessend auf, welche Angehörigen der Reihe nach entscheidungsberechtigt sind (Art. 378 ZGB). Der Reihe nach sind folgende Personen entscheidungsberechtigt:

  • Person, die im Vorsorgeauftrag oder in der Patientenverfügung angegeben wurde.
  • Beistand, Beiständin mit Befugnis in medizinischen Angelegenheiten zu entscheiden.
  • Ehepartner und Ehepartnerin/eingetragener Partner und eingetragene Partnerin, mit dem die urteilsunfähige Person einen gemeinsamen Haushalt führt oder welcher regelmässig und persönlich Beistand leistet.
  • Person, die im gleichen Haushalt lebt und regelmässig und persönlich Beistand leistet.
  • Kinder
  • Eltern
  • Geschwister